Oktober 2019

Die Blü­ten der Revo­lu­ti­on pfle­gen
Ein inter­na­tio­na­lis­ti­sches Grup­pen-Pro­jekt

Als Schüler*innen im CELMRAZ (Zapa­tis­ti­sches Spra­chen-Zen­trum), Cara­col II Oven­tik „Zen­tri­sches Herz der Zapa­tis­tas ange­sichts der Welt“, in Chia­pas, Mexi­ko

Ein Rei­se­be­richt – sowie ein Ver­such der Ver­mitt­lung eines Vor­schlags unse­rer zapa­tis­ti­schen Freund*innen – zum gemein­sa­men anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen anti­pa­tri­ar­cha­len Kampf – in Wür­de und Ent­schlos­sen­heit aller rebel­lie­ren­den und sich im Wider­stand Befin­den­den. Ein Kampf-Pro­jekt, das
den Frei­heits­kampf näher brin­gen, dis­ku­tie­ren und stär­ken möch­te. Mit prak­ti­scher Soli­da­ri­tät eine Auto­no­me Orga­ni­sie­rung in Bewe­gung brin­gen möch­te.

Wor­auf noch war­ten?

Kämp­fe im inter­na­tio­na­lis­ti­schen Kon­text zusam­men­fü­gen! Las­sen wir die Zapa­tis­tas nicht allein!

Zur aktu­el­len Situa­ti­on: Die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on von Droh­ge­bär­den, Hetz­kam­pa­gnen und Angrif­fen gegen die Auto­no­mie der Zapa­tis­tas und ande­rer Pue­blos ori­gi­na­ri­os in ganz Mexi­ko und auch in Chia­pas geht ein­her mit der tota­len Durch­ka­pi­ta­li­sie­rung von Natur, Was­ser und Leben – als Waren im moder­nen Skla­ven­hal­ter­tum. Von der neu­en mexi­ka­ni­schen Regie­rung als eine „Trans­for­ma­ti­on“ ange­kün­digt, wird dies alles doch im neo­li­be­ra­len Gewand, in Manier alter Kolo­ni­al­po­li­tik, durch­ge­setzt.

AMLO (mexi­ka­ni­scher Prä­si­dent) sag­te wört­lich bei einer Ver­an­stal­tung: „Die Links­ra­di­ka­len da vor­ne sind die wah­ren Kon­ser­va­ti­ven, die den Fort­schritt auf­hal­ten“, – wor­auf mit Mord durch sei­ne Par­tei-Anhän­ger oder durch Auf­trags­kil­ler reagiert wird – und die­ser Mord auch berech­nend vom Staat in Kauf genom­men wird. Des wei­te­ren: Ver­schwin­den las­sen, Land­raub, Ent­eig­nung,
Ver­trei­bung und Zer­stö­rung kom­mu­ni­tä­rer Struk­tu­ren. Nach wie vor herrscht in Mexi­ko ein aggres­si­ver Machis­mus, der auch mit­tels Mili­ta­ri­sie­rung durch Poli­zei, Para­mi­li­tärs, Dro­gen-Kar­tel­len genutzt wird, um ein Angst-Sys­tem auf­recht­zu­er­hal­ten. Die offen­sicht­li­che Tat­sa­che der Straf­frei­heit, sowie auch die Ver­tu­schung und das Igno­rie­ren täg­li­cher Femi­ni­zi­de, machen das deut­lich.

Offi­zi­ell stellt AMLO sich als Geg­ner und Erlö­ser von kor­rup­ten Machen­schaf­ten der Regie­rung dar. Inof­fi­zi­ell braucht und nutzt er jedoch die­se kri­mi­nel­len Struk­tu­ren zur Auf­recht­erhal­tung der Auf­stands­be­kämp­fung. Somit bleibt genau dies und die nor­ma­li­sier­te gewalt­tä­ti­ge Frau­en­feind­lich­keit erhal­ten. Die neu­en und alten neo­li­be­ra­len Mega-Pro­jek­te der Regie­rung bedeu­ten eine
tota­le Kriegs­er­klä­rung, die sich gegen die Pue­blos ori­gi­na­ri­os, Femi­nis­tin­nen, Ökoaktivist*innen u.a., und gro­ße Tei­le der mexi­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung rich­tet (auch in Bezug auf den gesam­ten süd­ame­ri­ka­ni­schem Kon­ti­nent und glo­bal betrach­tet).

Die Zapatist*innen nen­nen dies eine „nach­ho­len­de ursprüng­li­che Akku­mu­la­ti­on des Kapi­tals“ (aus ihrem Kom­mu­ni­qué vom August 2018: „300“; sie­he auch: www.enlacezapatista.ezln.org.mx).

Im zapa­tis­ti­schen Cara­col II von Oven­tik, Altos de Chia­pas, Mexi­ko: Die Ankunft auf wirk­lich auto­no­men Gebiet (im Cara­col II) ist im ers­ten Moment sehr beson­ders, fried­voll und erhel­lend zugleich. 
Kurz zuvor noch in der klei­nen, doch vom Tou­ris­mus zen­trier­ten und spür­bar vom Kon­sum auf­ge­dreh­tem Stadt San Cris­tó­bal de las Casas – mit star­ker Mili­tär Prä­senz und Kon­sum­gü­tern ohne Ende – hin­ein in eine wah­re Selbst­ver­wal­tung (die im Umgang mit­ein­an­der und unter­ein­an­der spür­bar ohne Kon­kur­renz und wett­be­werbs­los ist).

„Beson­ders“ des­halb – weil mit dem Wis­sen um die Wirk­lich­keit der selbst auf­ge­bau­ten und mit
Sorg­falt ver­tei­dig­ten Auto­no­mie, mit dem Wis­sen um die jetzt aktu­ell aus­ge­wei­te­ten auto­no­men zapa­tis­ti­schen Gebie­te in wider­stän­di­gen Tei­len Chia­pas – als eine zapa­tis­ti­sche Offen­si­ve.

„Fried­voll“ – im Kon­text des hart­nä­cki­gen Behar­rens auf Selbst­be­stim­mung (in kon­flikt­rei­chen Regio­nen, wo es Ver­rat und Kol­la­bo­ra­ti­on gibt mit dem neo­li­be­ra­len Staat, der Spal­tun­gen, Gewalt und Ras­sis­mus sät) und einer dadurch not­wen­di­ge Orga­ni­sie­rung des Frie­dens auf die­ser Basis – mit allen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Mit­teln zu ver­tei­di­gen.

Die­se Lie­be durch prak­ti­sche Auf­klä­rungs­ar­beit (auto­no­me Bil­dung, freie Medi­en, Kol­lek­tiv­ar­beit, Selbst-Regie­rung, auto­no­me Aus­bil­dung, öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft, Geschichts­be­wusst­sein, auto­no­me Gesund­heits­ver­sor­gung u.a.) wei­ter­ge­bend, sind die Zapa­tis­tas doch auch mit dem Tod durch die Ermor­dung von Compañer@s kon­fron­tiert.

„Erhel­lend“ – aus der Gewiss­heit und der Tat­sa­che her­aus, dass die­se auto­no­men zapa­tis­ti­schen Gebie­te schon so lan­ge Bestand haben – mit der Lie­be zur selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und das flam­men­de Licht­lein im Her­zen bewah­rend. Mit der Gewiss­heit, dass jedes Pro­blem an der Wur­zel gepackt und durch eben die­se Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Bil­dung gelöst wer­den kann.

Womit auch unser aller Auf­ga­be im Kampf kla­rer wird: als Internationalist*innen, die wir sind – und als Zapatist*innen, die sie sind – zu ver­schmel­zen (das gilt für alle inter­na­tio­na­lis­ti­schen Bewe­gun­gen und Wider­stän­di­gen in allen Kon­ti­nen­ten) und ihren Orga­ni­sie­rungs­vor­schlag beherzt wahr­zu­neh­men. Er beinhal­tet: Mit allen kämp­fen­den revo­lu­tio­nä­ren Kräf­ten, ein welt­wei­tes Netz­werk der Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koor­di­na­ti­on, föde­ral oder kon­fö­de­ral, unse­re Kämp­fe
auf­zu­bau­en und prak­tisch umzu­set­zen! (Wodurch ein­mal mehr die gro­ße Aner­ken­nung der kur­di­schen Bewe­gung und der Revo­lu­ti­on in Roja­va deut­lich zum Aus­druck gebraucht wird). Dies ist expli­zit ein dis­ku­tier­ter inter­na­tio­na­lis­ti­scher Vor­schlag und Wunsch aller Zapatist*innen.

Es ist durch­aus ein har­tes Leben im Wider­stand. Roman­ti­sie­rung sowie Heroi­sie­rung ist an die­ser Stel­le mehr als unan­ge­bracht, betrach­tet mensch in die­ser Regi­on (kolo­nia­lis­tisch zer­stü­ckelt) den gegen­wär­ti­gen Zustand im Inter­es­se der kapi­ta­lis­ti­schen Moder­ne und ihrer Unter­jo­chung. Ange­sichts des patri­ar­cha­len kapi­ta­lis­ti­schen Kriegs der Herr­schen­den immer, über­all, zu jeder Zeit – mit ihren kor­rup­ten Gou­ver­neu­ren, Mili­tär-Poli­zis­ten, gekauf­ten Para­mi­li­tärs und auch armen
Men­schen, die sich bereit­wil­lig kau­fen las­sen und sich so an jede, noch so klei­ne Hoff­nung klam­mern, etwas „vom Kuchen“ abzu­be­kom­men und dadurch reak­tio­nä­re Spiel­chen schnell mit­ma­chen. Dies alles fin­det auch tat­säch­lich im direk­ten Umfeld, im wahrs­ten Sin­ne in der
direk­ten Nach­bar­schaft der zapa­tis­ti­schen Auto­no­mie statt.

„Das ist die Höl­le“, wie uns ein Com­pa­ñe­ro berich­te­te, „doch in unse­ren auto­no­men Gebie­ten kön­nen wir atmen und sein.“

Was uns eben­falls von den zapa­tis­ti­schen Com­pa­ñe­ras gesagt wur­de, war: „Hier, auf die­sem Gebiet sehen wir Euch nicht als Tou­ris­ten oder als Aus­län­der an; in der kapi­ta­lis­ti­schen Stadt wer­det Ihr so ange­se­hen; doch hier, auf die­sem zapa­tis­ti­schen Land: von uns nicht.“

(Zusatz-Info: Alle aktu­el­len zapa­tis­ti­schen Ver­öf­fent­li­chun­gen, The­men – und auch die Gesprä­che
im Aus­tausch in unse­rem Unter­richt im Cara­col – sind auf den gro­ßen Tref­fen der Zapa­tis­tas mit­ein­an­der demo­kra­tisch abge­stimmt wor­den; daher sind alle Aus­sa­gen immer im kol­lek­ti­ven Rah­men und nie­mals indi­vi­du­ell zu ver­ste­hen.)

Selbst­be­wusst fra­gend und zuhö­rend zu ler­nen, war hier jetzt auch unse­re Rea­li­tät – und somit die Art und Wei­se unse­res Unter­richts. Mit wütend wis­sen­der Wür­de – dem Unrecht der Geschich­te gegen­über – als Motor des Vor­an­schrei­tens. Mensch kann sagen: Es ist ein Mit­ein­an­der – durch Ein-ander.

Der Unter­schied zwi­schen Bedürf­nis und Not­wen­dig­keit wird hier in zapa­tis­ti­schem Gebiet erkenn­bar und lehrt gleich­sam Beschei­den­heit. Wodurch auch die Dring­lich­keit der Ver­ant­wor­tung unse­rer Auf­nah­me des Kamp­fes – und der dring­li­chen Auf­ga­be, auf­merk­sam zu sein – in Soli­da­ri­tät mit der zapa­tis­ti­schen und wei­te­ren Frei­heits­be­we­gun­gen, die uns brau­chen – kla­rer wird.
Es dar­um nicht nur auf einen Aus­tausch und/oder Besuch beru­hen zu las­sen, son­dern dazu auf­zu­ru­fen, uns als Internationalist*innen ange­mes­sen auf­rich­tig zu ver­hal­ten. Das heißt auch, die zapa­tis­ti­schen Ana­ly­sen und Vor­schlä­ge zu dis­ku­tie­ren – und gemein­sam in Euro­pa und dar­über hin­aus, eine Ant­wort auf den Vor­schlag der zapa­tis­ti­schen Freund*innen bezüg­lich der Schaf­fung
eines glo­ba­len Netz­werks der revo­lu­tio­nä­ren Koor­di­na­ti­on und der direk­ten soli­da­ri­schen Akti­on zu ver­fas­sen.

Da die Compañer@s Zapa­tis­tas orga­ni­siert sind, laden sie auch regel­mä­ßig zu gro­ßen Tref­fen in ihren Gebie­ten (ihren Cara­co­les) ein:

Dem Wil­len der auf­stän­di­schen Bevöl­ke­rung ver­bun­den. Ihr Kampf fin­det dort statt. Dort sind sie Zapatist*innen. Über­all anders – so sagen die Herr­schen­den – wären sie Ille­ga­le ohne Papie­re.

Also: Schaf­fen wir einen Inter­na­tio­na­lis­mus, der Bezug nimmt und so als Gan­zes ent­steht. Denn Theo­rie und Pra­xis ver­bin­det, sofern ein Lern-Pro­zess ent­steht:

Hin zu einer revolutionären/militanten Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung.

Schaf­fen wir einen Inter­na­tio­na­lis­mus, der in der Lage ist, Frie­den durch­zu­set­zen!

Has­ta la vic­to­ria, siemp­re.

Compañer@s del mun­do.

An Azadî.

An Azadî.

Soweit so gut.

Ganz lie­be Grü­ße.

Abra­zo, M.

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Ser internacionalista – Von anderer Welt